20.07.2017 | „Trump, Brexit, Europa – wie geht es weiter mit der deutschen Wirtschaft?“ - war der Arbeitstitel des Vortrages zu dem die Fachschaft Wirtschaft des Balthasar-Neumann-Gymnasiums (BNG) geladen hatte und als Gastredner keinen geringeren als Prof. Peter Bofinger aufbieten konnte.

Dabei hätte der Arbeitstitel viel länger lauten müssen, denn in einem eloquenten und sehr kurzweiligen Vortrag spannte Peter Bofinger, der als eines der fünf Mitglieder des „Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ u.A. für die Bundesregierung Gutachten erstellt, einen Bogen zu Themen wie Effekte der Digitalisierung, Globalisierung, Staatsverschuldung, Wirtschaftsstrategie Chinas und Einiges mehr.

Wer glaubt, dass die über 250 Zuhörer, auch bestehend aus vielen interessierten Schülern des BNG, dem etwa eineinhalb stündigen Vortrag etwa wegen Fachjargon oder Gedankensprüngen ob der Themenfülle nicht hätte folgen können, täuscht sich an dieser Stelle. „Herr Bofinger hat es geschafft, alle Themen so herunterzubrechen, dass sich auch für uns Schüler verständlich waren“, bestätigte Isabella Schlör, Schülerin der Q11 des BNG. Stellenweise wurde der Vortrag sogar kabarettistisch, wenn der Redner von Trumps trampeliger Vorgehensweise sprach und ihm „keinen Plan und keine Strategie“ attestierte. „Donald Trump macht gerade das Gegenteil von dem, was man eigentlich macht, damit auch Niedrigqualifizierte von der Globalisierung profitieren“, spielte Bofinger auf die Versuche Trumps an, die Gesundheitsreform des ehemaligen Präsidenten Barack Obama mit einer Gegenreform zu beseitigen. „Es war ein anschaulicher und humorvoller Abend“ bestätigte auch Anna Schwarzkopf aus der 10. Klasse, die gekommen war, um den „Pop-Star der Wirtschaft“ zu hören, wie er von der Wirtschaftslehrerin OstRin Jutta Berrenberg im Vorfeld angekündigt worden war. Dennoch wurde es zu keiner Zeit zu feuilletonistisch, dafür sorgte der Redner auch mit verschiedenen Grafiken, die mit Zahlen und Fakten zum Stand der deutschen Wirtschaft aufwarteten.

Darüber hinaus richtete Bofinger durchaus auch mahnende Worte an sein Publikum, Chinas Rolle auf dem Weltmarkt nicht zu unterschätzen oder auch den Euro nicht zu verteufeln, den er aufgrund seiner Stabilität als Garanten des deutschen Wirtschaftserfolges bezeichnete. Auch wenn der deutsche Sparer sich gerne als Verlierer der derzeitigen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank sehe, müsse man anerkennen, dass der Chef der EZB, Mario Draghi, „einen tollen Job“ mache. Er habe am 26. Juli 2012 allein mit seinem Versprechen, den Euro mit allen Mitteln vor Spekulationen zu schützen, mehr erreicht, als die hilflose Politik zuvor vermocht hatte. Die Aufgabe der EZB, die Inflation in der Europäischen Währungsunion bei etwa 2% zu halten sei bisher bestens gelungen. Bofinger räumte hier allerdings auch ein, dass diese Geldpolitik unter seinen Kollegen nicht unumstritten sei. Auch bei der Bewertung der „Politik der schwarzen Null“ sei er nicht bei seinen Kollegen des Sachverständigenrates. Auf eine Neuverschuldung des Bundeshaushaltes in der derzeitigen Finanzlage zu verzichten „nimmt uns Entfaltungsmöglichkeiten“ etwa bei Investitionen auf dem Bildungssektor. Bofinger bezeichnete dieses Vorgehen ideologisch, er erkenne dabei keine wirtschaftliche Logik. Deutschland sei vielmehr dringend auf Investitionen angewiesen, die für die heutige Jugend mehr Wert habe, als einen verkleinerten Schuldenberg. Auch eine breite positive Lohnentwicklung sei möglich und auch nötig, so Bofinger. Schulleiter Dr. Beck dankte im Anschluss für die Einblicke in die Welt der Wirtschaft und ließ durchblicken, dass er gute Argumente für kommende Haushaltsdebatten habe sammeln können. Viele Zuhörer machten den Eindruck, sie hätten Zusammenhänge in  der Wirtschaft nun besser verstanden, manche wunderten sich vielleicht auch, dass ein vermeintlich trockenes Thema gar nicht so trocken sein muss.

Fachschaft Wirtschaft

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