04.07.2019 | Fünf Stunden Schule mit anschließendem hektischen Gepäckverladen für eine lange Busfahrt mit vielen anderen Jugendlichen - das klingt erst einmal nicht wie der Beginn einer entschleunigten Erfahrung. So machten wir – 20 Schülerinnen und Schüler, zwei Ehemalige und Frau Lörner – uns noch beladen mit Stress auf die Socken;

erst nach Veitshöchheim, von wo es direkt mit zwei großen Doppeldeckern nach Taizé weiterging. Nach einer anstrengenden, aber lustigen Busfahrt kamen wir endlich am Ziel unserer Reise an: Der Wallfahrtsort Taizé, zu dem jedes Jahr mehrere Tausend Gläubige (oder auch Atheisten) pilgern, um sich selbst, Gott oder Ruhe zu finden. Und bereits bei der Ankunft merkten wir, dass dieser Ort ganz besondere Erfahrungen bieten wird.

Der minimalistische Lebensstil, der sich besonders in Bereichen wie Unterkunft und Alltagsgestaltung zeigt, mag zunächst ungewöhnlich erscheinen. Das machte uns allen aber nichts aus, da man ja nach Taizé fährt, um sich auf das Nötigste zu beschränken und sich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren: Natur, Glaube, Beisammensein. Zum Alltag gehört neben den Gottesdiensten und Bibelstunden die Arbeit, die jeder Gast zu erledigen hat. Der Tag in Taizé funktioniert nämlich nur dadurch, dass alle Besucher zusammenhelfen und so profitiert jeder von einem sauberen Ort und einer gut organisierten Gemeinschaft.

Ein typischer Tagesablauf in Taizé sieht so aus: Man beginnt vor dem Frühstück mit einer kurzen Morgenandacht. Vormittags müssen zum einen die jeweiligen Aufgaben (z.B. Essen vorbereiten, Müll aufsammeln) erledigt werden. Zum anderen finden  Gesprächskreise statt, in denen Fragen zu einem Bibeltext und zum persönlichen Leben. durchgesprochen werden, wodurch man seine “Bibelgruppe” besser kennenlernt und schnell ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt.

Zwischen Mittagsandacht und Abendessen ist Zeit zum Nachdenken – sei es im Dorf Taizé oder im Park rund um den “See der Stille“, aber auch für Gemeinschaft und Kennenlernen (zum Beispiel beim Bench-Twister auf den Sitzbänken). Nach dem Abendgebet bleibt die Kirche auch noch bis spät nachts offen, sodass jeder die Möglichkeit hat, dort Lieder zu singen, zu meditieren oder mit Gott in Kontakt zu treten.

Nach dem letzten Gottesdienst am Samstag, der sogenannten Nacht der Lichter, bei dem alle Besucher gemeinsam die Kirche erstrahlen ließen,  machten wir uns spät abends auf den Heimweg, sodass wir am nächsten Morgen wieder zu Hause ankamen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Reise nach Taizé eine echte Bereicherung in vielen Hinsichten war und man  definitiv dem Alltag einfach mal entfliehen, zur Ruhe kommen und sich besinnen konnte. „Wenn es doch auch in Deutschland häufiger solche Gottesdienste gäbe!“ – das haben wir uns oft gedacht, denn tatsächlich hat uns die Mischung aus Gebet, Stille und Gesang ganz besonders angesprochen. Auch das Geben und Nehmen in der Gemeinschaft und die Offenheit, mit der sich alle – Mönche und Gäste – begegnen lehrt auch die Besucher, auf neue Situationen und Personen offener zuzugehen. Die Reise war definitiv wertvoll und man kann jedem herzlichst empfehlen, diese Erfahrungen auch selbst einmal zu sammeln!

Pauline Greiner, Jana Schönfeld, Christopher Väth