20.07.2018 | "Da lief dem Schneiderlein endlich, wie man sagt, die Laus über die Leber, es langte […] nach einem Tuchlappen, und ‚wart, ich will es euch geben!‘ schlug es unbarmherzig drauf. Als es abzog und zählte, so lagen nicht weniger als sieben [Fliegen] vor ihm tot und streckten die Beine."

Wer kennt nicht das Märchen vom tapferen Schneiderlein, das sich auf einen Gürtel in großen Buchstaben „siebene auf einen Streich“ gestickt hat? Mittlerweile ist das Märchen in Deutschland zur traurigen, wissenschaftlich belegten Realität geworden nur in noch viel größerem Ausmaß. Seit Ende der achtziger Jahre sind bezogen auf die Biomasse im Jahresdurchschnitt drei von vier Insekten verschwunden. In den Sommermonaten sogar mehr als vier von fünf. Der Verlust an Artenreichtum und Zahl der  Insekten wird höchstwahrscheinlich negative Folgen für etablierte Nahrungsketten und Ökosysteme haben, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie in der Fachzeitschrift Plos one belegt. Die Verantwortung hierfür trägt wie so oft der Mensch.

Aus diesem Grund hat die Forscherklasse 5a des Balthasar-Neumann-Gymnasiums mit ihrem Biologielehrer Dr. Eduard Liebler beschlossen, in diesem Sommer ein Zeichen gegen das Insektensterben zu setzen. Nahezu selbständig planten die Schüler in einer theoretischen Anfangsphase den Aufbau ihrer Insektenhotels. Die praktische Umsetzung lieferte dann für unterschiedlichste Insektenarten wie z. B. Mauerbienen, Wildbienen, Wespen, Käfer oder Schmetterlinge ein neues Zuhause. Dabei sind die Anforderungen an die Hotels vielfältig. Sie bestehen beinahe vollständig aus Naturmaterialien wie Hartholz, Stroh, Schilfrohr, Bambusstäben oder Torf und Lehm. Bohrungen dürfen nicht zu klein, zu groß oder zu tief sein. In Bezug auf Form und Gestaltung sind Insekten hingegen wenig wählerisch. Drei Wochen lang wurde am BNG nachmittags gebohrt, gesägt und genagelt. Letztlich führte die erfinderische Freiheit bei den Schülern zu ganz unterschiedlichen Konstruktionen, die vom schlichten Bauhausstil bis zum „Weißen Haus“ reichten. Mit dem Projekt möchten die „Forscher“ der 5a Mut machen mit der Natur sorgsamer umzugehen, damit am Ende nicht alle vor dem Menschen wie im Märchen vor dem tapferen Schneiderlein Angst haben müssen.

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