06.12.2018 | Dieser Frage gingen die Schüler der Klasse 8a im Rahmen des Biologieunterrichts in der Hochsaison der Infektionskrankheiten nach - mit erstaunlichen Ergebnissen.

von EDUARD LIEBLER

Vor über dreihundert Jahren wurden Bakterien entdeckt. Doch bis heute wissen wir nur eines ganz sicher über die Mikroorganismen: Sie sind überall! Doch wann haben wir Kontakt mit welchen dieser Kleinstwesen?

In der Regel kommen wir in erster Linie durch unsere Hände mit ihnen in Kontakt und verteilen sie auch weiter. Aber wo treten besonders viele Bakterien auf? Wir haben den Test gemacht. Eine Schulstunde lang nahmen die Schüler der Klasse 8a Proben an den unterschiedlichsten Stellen im Schulhaus, aber auch von Alltagsgegenständen. 

Zur Vorbereitung stellten die Schüler einen Nährboden aus Agar für die Bakterien her. Agar ist ein polymerer Zucker, der in Wasser gelöst nach kurzem Aufkochen geliert und eine feste Masse bildet. In heißem Zustand wurde die Agarlösung in Petrischalen gegossen und anschließend zum Abkühlen für ca. 15 Minuten auf der Fensterbank platziert. Während dieser Zeit müssen die Petrischalen aus Kunststoff mit einem Deckel verschlossen sein, damit sie nicht zufällig bereits vor Beginn der eigentlichen Versuchsreihe mit Bakterien kontaminiert werden. 

In der nächsten Biologiestunde wurden Proben genommen. Dabei war den Schülern kein Ort und kein Gegenstand heilig. Von der Klinke an der Toilettentür über die Schuhsohle bis zur Fernbedienung für den Beamer wurde alles einem sogenannten Abklatschtest unterzogen. Hierbei werden Bakterien von einer Oberfläche mittels eines sterilen Hilfsmittels (Metallstab oder Stoff-Stempel) auf den Nährboden der Petrischale übertragen. Das Hilfsmittel muss nach jeder Verwendung erneut sterilisiert werden. Der Metallstab (Impföse) wird zu diesem Zweck mittels eines Bunsenbrenners kurz ausgeglüht.

Nachdem die Versuchsreihe tabellarisiert protokolliert war, wurden die Petrischalen im Brutschrank übers Wochenende kultiviert. Da sich Bakterien etwa alle 20 bis 30 Minuten durch Teilung vermehren, entstehen auf dem Nährboden innerhalb kurzer Zeit riesige Bakterienkolonien. Dieses exponentielle Wachstum zeigt sich an einem einfachen Beispiel: Wenn zu Beginn nur ein Bakterium vorhanden ist, sind nach einem halben Tag (720 Minuten entsprechen 36 Teilungsvorgängen) fast 69 Milliarden (236 = 68.719.476.736) entstanden.

Die Anzahl der Bakterien an den Händen ist im Tagesverlauf relativ konstant. Allerdings spielt die Variation eine entscheidende Rolle. So können im Verlauf eines Tages durch den Besuch verschieden kontaminierter Orte Bakterienarten aufgenommen werden, die durchaus unangenehm sein können: Neben Fäkalkeimen, Enterokokken, kann auch schon mal ein Eiterkeim wie Staphylococcus Aureus dabei sein.

Als Tipp für die Schule gilt genau wie auch für den Arbeitsplatz und überall dort, wo sich viele Menschen aufhalten: Nach jedem Toilettengang und vor dem Essen mindesten 20 Sekunden lang die Hände waschen, auch zwischen den Fingern. Ebenfalls ganz wichtig: Die Hände gründlich abtrocknen, damit Bakterien sich nicht vermehren können, denn ohne Wasser sterben sie schnell ab. Außerdem sollte während des Tages ein Kontakt mit den Schleimhäuten in Nase und Mund vermieden werden.

Bild: Die Aufnahme links zeigt in der linken Hälfte (B) die bakterielle Belastung der Toilettentürklinke innen sowie rechts (A) außen. Die rechte Petrischale zeigt das Bakterienmuster einer Schuhsohle (linke Hälfte).  


WICHTIG: Bitte beachten Sie, dass beide abgebildeten Versuche über die tatsächliche Belastung mit Bakterien hinwegtäuschen, da ein Kultivierungszeitraum von 72 Stunden unter optimalen Bedingungen (Temperatur und Nährmedium) vorliegt.
Alle Ergebnisse lagen im normalen vertretbaren Bereich und geben keinen Anlass zur Besorgnis. Die Bakterienkulturen wurden nur im verschlossenen Zustand durch den Schüler betrachtet. Bedingungen für das Wachstum humanpathogener Erreger lagen nicht vor. Alle Petrischalen wurden am Ende sachgerecht sterilisiert, geflammt und entsorgt.

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