04.07.2018 | „Du kannst dich vor allem drücken – aber nicht vor dem Tod.“ Unter diese durchaus provokative Überschrift stellten Heidi Seubert und Heribert Zeller vom Hospiz-Verein Main-Spessart ihren Vortrag mit Gespräch beim Besuch am Balthasar-Neumann-Gymnasium.

Auf Einladung von Religionslehrer Holger Seidel gaben die beiden Hospizhelfer für die 10. Klassen in der Bibliothek einen Einblick in die ehrenamtliche Arbeit und beantworteten bereitwillig alle Fragen rund um Sterbebegleitung und Tod.

„Hospizarbeit bedeutet: einen Liebesdienst erweisen beim letzten Schritt“, sagte  Vorsitzender Zeller mit Blick auf die Bedeutung des Hospizdienstes, den aktuell etwa 40 Hospizhelfer im fast 500 Mitglieder zählenden Verein leisten. Im vergangenen Jahr hätten die Ehrenamtlichen 4000 Stunden geleistet und 70 Sterbende begleitet. Er übe diese Tätigkeit, so Zeller, mit Freude aus – Freude deshalb, weil er immer feststelle, wie sehr die Patienten dieses Engagement wertschätzten. Es sei wichtig, ungeniert und angstfrei mit den Themen „Sterben und Tod“ umzugehen; darum kämen er und seine Mitstreiter gerne an Schulen, um durch Information und Aufklärung der Tabuisierung dieser Themen entgegenzuwirken.

Sterbebegleiterin Heidi Seubert, die nach eigenen Angaben schon mehr als 200 Menschen begleitet hat, hob hervor, dass Zeit und Liebe die wichtigsten Gaben seien, die sie und alle anderen Hospizhelfer schenken könnten. Ihre lebensnahen, anschaulichen und zum Teil sehr persönlichen Erzählungen sprachen die Jugendlichen unmittelbar an und vermochten dem Thema auch durchaus heitere Aspekte abzugewinnen. Auf die Frage, wie sie selbst zur Hospizarbeit gekommen sei, berichtete sie davon, dass sie auf der Suche nach einer sinnerfüllenden ehrenamtlichen Arbeit eher zufällig auf eine Annonce des Hospizvereins gestoßen sei und so den Weg in den Kreis der Begleiter gefunden habe.

Eine Schülerin wollte wissen, wie die Referenten zur aktiven Sterbehilfe stünden. „Wir geben Lebensperspektive“, lautete Zellers klare Antwort. Lebensverkürzende Maßnahmen zu ergreifen oder anzubieten sei nicht nur gesetzeswidrig, es stehe auch im Widerspruch zu diesem Grundgedanken der Hospizarbeit. Und ein weiterer wichtiger Grundsatz sei es, den Willen des Patienten zu respektieren, auch wenn dieser bisweilen merkwürdig erscheine.  

Zeller und Seubert betonten die Bedeutung der vernetzten Arbeit mit allen bei der Sterbebegleitung beteiligten Personen und Institutionen, beispielsweise mit (ambulanten) Palliativdiensten oder in stationären Hospizen. Sie wiesen zudem darauf hin, dass sich auch schon junge Leute damit auseinandersetzen sollten, ob und wie sie mit einer Patientenverfügung bzw. Vorsorgevollmacht mit Blick auf ihre Situation beim nahenden Lebensende Klarheit schaffen könnten. Denn „vor dem Tod kannst du dich nicht drücken.“

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